Du musst gar nichts!

vicky_pool_bikini_02sw"Ich muss da arbeiten!"
Mit diesen Worten hat mir eine Freundin letztens abgesagt. Genau diese Freundin hat erst seit einigen Monaten ihren neuen Job und sich mega darüber gefreut. Und inzwischen „muss“ sie arbeiten. Sie hat sich über dieses kleine Wort bei seiner Benutzung wahrscheinlich keine Gedanken gemacht. Immerhin nutzt es ja jeder ständig. Und „ich muss arbeiten“ ist - leider - eine gängige Formulierung. Woran liegt das? Und "müssen" wir wirklich alle in der Form arbeiten, wie wir denken?

Diese Woche wurde ich gefragt: „Wie lange musst du heute noch?“. Da habe ich prompt entgegnet: „Naja, ich bin ja freiwillig in dieser Position, ich muss gar nichts!“. Überrascht über meine Reaktion habe ich noch länger über meine Aussage nachgedacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das, was wir über das Thema Arbeit denken, anerzogen wurde. So habe ich schon oft Gespräche geführt, in denen gesagt wurde: "Ja, klar, wir können rumreisen und lustig jobben – aber das geht auch nur, so lange keine Familie da ist". Oder ich habe mit Leuten gesprochen, die unzufrieden sind und nachgefragt, was die Person denn in dem Job hält. Oft wird dann gesagt, dass sie zu alt zum Reisen wären, kein Geld hätten, sich nicht von der Familie trennen könnten oder meine Denke naiv wäre. Die Gründe, das Leben nicht so zu gestalten, wie wir es uns aus tiefstem Herzen wünschen, sind also unerschöpflich.

Was spricht denn dagegen, seine Wurzeln aufzugeben, wenn z.B. Kinder geplant oder da sind? Was spricht dagegen auch mit wenig Geld, etwas neues aufzubauen? Egal, welche Antworten ihr nun findet, ich bin davon überzeugt, dass sie allein eurer Angst und eurem Sicherheitsanspruch entspringen.

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Klar, das geht alles nicht von heute auf morgen. Aber andere Leute zu beneiden, weil sie etwas machen, was in euren Augen toll ist, ist auch scheiße. Denn diese Leute haben meist jahrelang darauf hingearbeitet und sind Kompromisse eingegangen, haben ihre Komfort-Zone verlassen und sich ihren Traum erarbeitet. Wie oft höre ich Leute, die es beneiden, dass ich vom Bloggen leben kann? Diese Leute hole ich ganz schnell wieder runter und sage, dass ich dafür lukrative Kellnerjobs habe sausen lassen und in Kauf genommen habe, monatelang nur Haferflocken zu essen. Ich habe damals dafür gekämpft, dass mein Blog wächst. Und jetzt kann ich stolz behaupten, dass ich das mache, was ich absolut liebe. Und wenn ihr dann irgendwann endlich das macht, was euch erfüllt, dann seid dankbar, nicht mehr "arbeiten zu müssen", sondern arbeiten zu "wollen" und zu "dürfen".

9 comments

  1. MadVoyage

    Toller anregender Artikel. Ich bin da total bei dir. Wie oft habe ich schon Leute gehört, dass sie etwas nicht machen können aus so vielen unterschiedlichen Gründen. Sicher viele Gründe haben auch Substanz. Aber es gibt immer Wege sich selbst etwas zu erfüllen. Oft steht man sich nur selbst im Wege und ohne hart für etwas zu arbeiten, erreicht man nie das, was man eigentlich möchte:)

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  2. Sandra

    Sehr wichtige Message. Es ist nie zu spät zu tun, was man will. Die meisten Menschen haben zu wenig Vertrauen in sich und die göttliche Fügung, dass alles gut wird wenn sie endlich anfangen zu tun, was ihr Innerstes will. Wenn sie das tun, was sie glücklich macht. Man muss dafür risikobereit sein, Existenzängste durchleben, sicher, gleichzeitig hört man sofort auf verzweifelt zu sein, weil man sich endlich entschieden hat. Lieblingsspruch: " Dem Mutigen hilft das Glück." Sicherheit gibt es so oder so nicht. Nie, alles wandelt sich, verändert sich, ist im Fluss. Immer wird es Ausreden geben, nicht zu tun, was man eigentlich möchte. Meine Meinung ist, dass hier neben Angst auch viel Bequemlichkeit und Faulheit mit hinein spielt. Bei manchen muss der Leidensdruck erst unermesslich werden bis sie ihrer inneren Stimme folgen. Doch dann werden sie sich fragen, warum sie es nicht gleich getan haben und grundlos so viel Angst hatten.

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  3. One Moment

    Guter Beitrag. Bei mir hat sich nun nach einem Jahr im Job auch das "MUSS" arbeiten eingeschlichen. Das zwar bei sehr netten Kollegen aber leider einem psycho-Chef und jetzt auch rückständiger Lohnzahlung. Am Freitag hat es mir einfach gereicht und ich habe die Reißleine gezogen. Ich wurde aufgrund meiner höflichen Nachfrage nach meinem Lohn nach Hause geschickt und sollte ab sofort eine Woche beurlaubt sein - aber ganz ehrlich: So etwas muss ich mir nicht bieten lassen! Ich werde Dinge ändern - auch wenn der WEg bis dorthin nun anstrengend und sicherlich kräftezehrend wird.

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  4. Kimberley Jackson

    Du sprichst mir aus dem Herzen! Ich kenne diese Leute die so Sprüche bringen wie "So gut möcht ich es auch mal haben" oder "Wer es sich leisten kann".
    Wie du es gesagt hast, jeder Traum kommt mit 'Opfern'. Du kannst alles erreichen was du willst--wenn du dafür bereit bist alle andere aufzugeben. Und es fühlt sich dabei nie wie ein 'Opfer' an. Denn man bekommt ja etwas super-wertvolles: das Gefühl mit sich selbst im Reinen zu sein.

    Ich kann dieses Gequatsche von wegen 'Ich MUSS arbeiten' auch nicht mehr hören. Meine Familie treibt es noch einen Zacken schäfer und zählt die Tage bis zur Rente. (True story!) Was ist das für ein Leben?
    Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass die Ausrede 'Ich kann nich' auch eher ein Synonym für 'Naja, dafür ist's mir nicht wichtig genug' ist. Die meisten Menschen sehen nur den Erfolg, und denken dann, dass man dafür nicht arbeiten musste. Sie sehen aber nicht, was man dafür aufgegeben hat: in einer kleinere Wohnung umziehen um Miete zu sparen, Samstags abends eben nicht auf Partys gehen und sich betrinken sondern die Zeit produktiv nutzen, usw.
    Deutschland ist eine Jammergesellschaft geworden, in der sich alle einreden sie hätten ja keine Wahl.

    Ich kann auch ehrlich gesagt diese Montags & Freitags Sprüche nicht mehr lesen. (Montags=Arbeitsanfag, also Wochentief - und Freitags dann "endlich Wochenende") Wenn ich das immer lese denke ich immer nur "Schon mal dran gedacht den Job zu wechseln?" Irgendwie ist es akzeptabel geworden nur noch von Wochenende zu Wochenende zu leben - und man stachelt sich noch gegenseitig hoch. Begreife ich irgendwie nicht.

    Finde es aber irgendwie beruhigend, dass es anderen Menschen auch so geht. 😉

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    1. Vicky

      Ohje, sich nur auf die Rente zu freuen finde ich auch ganz gruselig. Wieso verschwendet man die Zeit davor? Ich check's einfach nicht 🙁

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      1. Kimberley Jackson

        Sehe ich auch so. Vor allem weiß man doch gar nicht ob man überhaupt bis zur Rente lebt (vor allem wenn man so unglücklich ist und sich dadurch so viel stress macht.) Aber zum Glück können wir es ja anders machen. 😉

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  5. Ralf

    Ich wundere mich immer wie Leute jahrelang mit Jobs klar kommen die ich absolut wiederlich finde. Haben die den nie Leidensdruck? Wollen die nicht wegrennen und in Wochenendkursen ihren Traumjob lernen? Was machen wir wenn plötzlich jeder nur noch schöne Arbeiten machen will und keiner sich mehr im Discounter rumschupsen lässt? Verkraftet unsere Gesellschaft sämtliche Potentialentfalter? Freuen sich dann vielleicht irgendwann Insolvenzberater und Therapeuten? Ich finde einfach keine Antworten und arbeite deshalb weiter in dem Beruf den ich mir bislang mühsam erarbeitet habe.

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  6. Isa

    Liebe Vicky, ich kann ja grundsätzlich verstehen, dass du es als nervig empfindest, wenn Leute dich schief angucken und blöd nachfragen, wie es sein kann, dass du durch deinen Blog leben kannst.
    Allerdings gibt es Menschen, die Arbeiten 'müssen', bzw. bin ich der Meinung, dass man arbeiten muss, um eben leben zu können. Man braucht Geld, sei es für die Miete oder Krankenkasse. Und nicht jeder kann seinen Traum im Beruf ausleben, nicht jeder hat dieses Glück. Und es gibt eben auch Menschen, die einen Job haben, bei welchem sie sich dann auf den Freitag freuen. Auf das Wochenende. Und das gehört ebenso dazu wie Berufe, die einem alles bedeuten. Nicht jeder hat die Möglichkeiten, beruflich erfüllt zu sein. Da hängt einfach eine Menge mit drin. Nicht nur die eigene Anstrengung, sondern eben auch andere Faktoren.
    Ich finde, man sollte beide Seiten akzeptieren. Die Leute, die ihren Job lieben und ebenso aber auch die Leute, die sich dann eher auf ihr Wochenende freuen.

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