DATING IST VERDAMMT WEIRD GEWORDEN, ODER?

Ist ein normales Kennenlernen von Mann und Frau in Zeiten von unverbindlichem Getippe überhaupt noch möglich? Verstecken sich die meisten hinter großen Worten, um kleine Taten zu kaschieren? Ich mein', jetzt mal im ernst: Ich bin kein „Früher war alles besser“-Typ - aber Dating war früher doch irgendwie verbindlicher, oder? Nicht so random und austauschbar. Im echten Leben wird nur geguckt und nicht angesprochen. Und online? Da wird angesprochen en masse aber sich nicht getroffen. Nach dem Motto „Tippen wie die Weltmeister, Dating wie die.. Ja, wie was eigentlich? Denn wenn keine Dates stattfinden finden de facto einfach keine Dates statt.

DATING IST VERDAMMT WEIRD GEWORDEN, ODER?

Ich habe euch ja bereits in meinem Text "Emotionales Tauziehen statt heißer Flirts" von dem Phänomen, das anscheinend weit über meinen Freundeskreis hinausreicht, berichtet: Frauen, die wissen, was sie glücklich macht und sie wissen, was sie lassen sollten, um sich nicht unglücklich zu machen. Allesamt - selbstbewusst, unabhängig, charakterstark und schön – und Single. Wie kann das sein? Ich weiß nicht, ob es ein Phänomen der Endzwanziger ist oder ob es schlicht und ergreifend an unserem Onlinenutzungsverhalten liegt, dass Dating so verdammt "weird" geworden ist?!

STIMMT 'NE KLEINIGKEIT NICHT? LÖSCH' IHN!

Durch die Masse an Möglichkeiten, sehen wir den guten Flirt vor lauter Random-Flirts gar nicht mehr. Und selbst meine Freundinnen, die über die Austauschbarkeit schimpfen, wenn man sich auf's Online-Dating-Glatteis bewegt, höre ich dann ab einem Gewissen Punkt irgendwann total unberührt von der Kontaktanfrage an sich sagen: "Der hat mich total unoriginell angeschrieben, den lösch' ich".

DIE VERGEBLICHE SUCHE NACH DER SUPERLATIVE

Im ersten Moment denkt man vielleicht "Klar, lösch' den, da gibt's bestimmt coolere oder lustigere Anmachen". Aber vor lauter Suchen nach Superlativen, vergessen wir, dass

a) wir alle nur Menschen sind, die beim Erstkontakt vielleicht nicht so perfekt sind

und

b) der perfekte Erstkontakt auch einer sein könnte, der perfektioniert wurde. Sprich: Der Flirts eben als Marketingmasche für sich selbst sieht und selbst gar nicht mehr weiß, was er der anderen Dame vor fünf Minuten noch geschrieben hat. Quantität statt Qualität im Austausch mit anderen.

IST DIE MENTALITÄT DES LÖSCHENS EIN GENERATIONSPROBLEM?

Ich glaube bei all den Möglichkeiten werden die Erwartungen so hoch geschraubt, dass wir hinter dem Dating nicht mehr nur die Suche nach einem/r Freund/in und eventuellem Partner sehen – die Fülle an Möglichkeiten macht Dating zu einer Art Marktplatz, auf dem man sich eben präsentiert und man sich – ganz platt gesagt – wie im Supermarkt für das beste Produkt zum besten Preis entscheiden will. Dabei nehmen wir viele Produkte in die Hand, die vielleicht schon super passen würden. Aber das Wissen im Hinterkopf, dass noch etwas besseres da sein könnte, lässt es uns ohne weiteres zurückstellen und weitersuchen. Da reicht schon ein mikroskopisch kleiner Kratzer auf der Verpackung, damit wir uns dagegen entscheiden. Dass es hierbei aber um Menschen und nicht um die Zahnpasta geht und Menschen vor allem menschlich und niemals perfekt sind, wird dabei oft außer Acht gelassen. Die Mentalität "Es stimmt eine Kleinigkeit nicht, darum lösch' ich dich" greift anscheinend nicht nur in meinem Freundeskreis um sich. Diese Mentalität scheint ein Generationsproblem zu sein, oder? Und so kommt es oft gar nicht mal mehr zu Dates, sondern bleibt bei unverbindlichem Getippe, das sich irgendwann in Wohlgefallen auflöst. Was haltet ihr denn von Online-Dating? Und worin seht ihr die Problematik dabei?

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