Ein besseres Ich sein? Ich kann mich nicht jeden Tag feiern

rote tasche, jeans, hose, hut, ringelshirt, outfit, brilleSei du selbst, sei glücklich, lebe dein Leben! Ja, was soll ich denn noch alles machen?Eine Abrechnung mit "Sei du selbst"-Botschaften und darüber, dass wir alle gut sind, so wie wir sind.

ES GIBT WOCHEN, IN DENEN HABEN MIR SELBSVERWIRKLICHUNGS-BOTSCHAFTEN ECHT NOCH GEFEHLT

Ihr kennt es doch bestimmt auch: In manchen Wochen strotzt man vor Energie – aber selbst in diesen schaffen wir nicht unbedingt alles, was wir uns vorgenommen haben. Und dann gibt es Wochen, in denen das Alltags-Pensum uns erschlägt und wir überhaupt nicht hinterherkommen. Und genau in diesen Wochen haben mir diese Selbstverwirklichungs-Botschaften echt noch gefehlt.

ICH KANN MICH NICHT JEDEN TAG FEIERN

Mich jeden Tag feiern und jeden Morgen über mein Glück glücklich sein? Klingt in der Theorie super. Allerdings wäre ich schon mein eigener King, wenn wenn ich es am Montagmorgen schaffen würde, um Punkt 7 Uhr mit dem Klingeln des Weckers voller Energie und perfekt erholt vom Wochenende aufzuspringen, mit Sport zu starten und den Tag durchzupowern. Ich selbst sein? Das wäre ich sicher schon ein Stückchen mehr, wenn mir die Baustelle vor der Tür nicht seit der Früh in den Ohr dröhnen würde.

ES GIBT SCHON LANGE DEN WUNSCH NACH AUTHENTIZITÄT

Die Botschaften, die mir aus der Werbung oder von Social Media entgegenschlagen lassen mich die Stirn runzeln. Es gab lange den Wunsch nach Authentizität: Weg von beschönigten Bildern, weg von einer zweifelhaften Perfektion, die uns alle unter Druck setzt. Das haben wir als Konsumenten schon lange gespürt. Und nun zieht die digitale Welt Stück für Stück nach. Doch irgendwie fühle ich mich nicht abgeholt von Spots, die uns sagen, wir sollen wir selbst sein, indem wir lachend durch die Straßen rennen.

ES ENTSTEHT EIN NEUER DRUCK DURCH EIN WEITERES VERZERRTES BILD, DAS DEN KERN UNSERER AUTHENTIZITÄT NICHT TRIFFT

Ist es denn überhaupt so erstrebenswert, jetzt von außen diktiert zu bekommen, wir sollen so sein wie wir sind? Wenn ich abends mit 'ner Tüte Chips auf der Couch liege und mich freue – ja – unbeobachtet ich selbst sein zu können, merke ich, wie durch die dargestellte Art nicht perfekt zu sein, ein neuer Druck entsteht. Durch Messages wie beispielsweise "Zeig allen was in dir steckt", wird doch nur ein weiteres verzerrtes Bild erschaffen, das den Kern unserer Authentizität genauso wenig trifft, oder?

KOMMT BEI ALL DER OPTIMIERUNG DAS "SELBST" ÜBERHAUPT MIT?

Es sind unsere Schwächen, die uns Erfolge als solche erkennen lassen. Und es sind unsere Ängste, die uns über uns hinaus wachsen lassen. Es sind doch manchmal genau diese Zweifel, die uns so liebenswert und menschlich machen! In diesem ganzen Wahn der Selbstoptimierung, in der ich jetzt auch noch toll sein muss, wenn ich einfach ich selbst sein will, kommt bei all der Optimierung das Selbst überhaupt nicht mit. Inneres Glück und wahre Zufriedenheit liegen fernab von starren Vorstellungen und Erwartungen, wie wir zu sein haben.

Wie steht ihr zu dem Thema? Seht ihr es überhaupt kritisch, dass uns von außen aufgezeigt wird, wir sollen wir selbst sein oder feiert ihr es?

 

7 comments

  1. *

    Finde ich gut, dass du das hinterfragst. Ich stimme dir vollkommen zu. Wenn ich ich selbst bin, dann gibt es auch Momente in denen ich nicht lachend durch die Straßen hüpfe etc. Wir sollten all unsere Launen zulassen können, denn nur so sind wir authentisch.

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  2. Aniwei 87

    Endlich einmal wieder ein Post, in dem es nicht in erster Linie ums Verkaufen geht, sondern der zum Nachdenken anregt. Solche gab es in deinem Blog zuletzt immer weniger und schließlich fast gar nicht mehr. Das meinte ich mit meiner Kritik an der übermäßigen Kommerzialisierung deines Blogs. Dass es beim Bloggen, wie du es betreibst, letztlich ums Geld verdienen geht, ist nicht neu. Man muss damit aber nicht so dick auftragen, wie du es in letzter Zeit getan hast. Der Schuss könnte sonst nach hinten losgehen. Mehr von der Sorte sie hier wäre der Sache die Löcher.

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    1. Aniwei 87

      Im letzten Satz meines vorherigen Kommentars hat die Autokorrektur gesponnen. Er muss richtig heißen: Mehr von der Sorte wie hier wäre der Sache dienlicher.

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      1. Vicky

        Hallo Ani, danke dir. Ich weiss leider nach wie vor nicht, was du konkret mit Verkaufen meinst. Denn Outfitposts gab es schon immer auf meinem Blog. Und die Shoppingposts werden gut angenommen, deswegen gibt es die zwischendurch auch 🙂 Und Sonntags versuche ich immer einen persönlichen Post zu schreiben, wofür man aber auch Inspiration braucht, die ich nicht immer habe, weshalb er dann Sonntags manchmal flach fällt. Aber danke dir für deine Anregung und deinen ehrlichen Kommentar 🙂

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  3. Sarah

    Liebe Vicky,
    ich habe deinen Beitrag schon gestern gelesen und danach immer mal wieder über dieses Thema nachgedacht - ich glaube,dass das einfach ein Problem unserer Gesellschaft ist,dass man immer das Gefühl hat,man müsste ach so happy sein und demonstrieren,wie gut man doch sein Leben im Griff hat...Als sei man der Totalversager,wenn man mal nicht wie ein Honigkuchenpferd grinsend durch die Weltgeschichte stolziert.Dabei ist es doch nur normal,sich auch mal nicht so glücklich zu fühlen - also warum immer den Schein wahren?Vielleicht,weil es von einem so erwartet wird...
    Liebe Grüße,Sarah

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    1. Vicky

      Liebe Sarah, danke, dass du meine Gedanken mit mir und anderen Lesern teilst. Ich habe das Gefühl, dass deine geschilderte Beobachtung irgendwie immer mehr wird. Ist das der Zahn der Zeit, dass Leute nicht gern über Probleme reden? Also, ich habe ausschließlich Freunde, mit denen ich das kann. Ich weiss aber auch, dass es Leute gibt, die nicht gern über die "Realität" reden. Aber gut zu wissen, dass du das auch so empfindest 🙂

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