Ich will nicht stark sein! Ich will weinen dürfen!

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"Sei stark"

"Hör auf zu weinen"

"Lass dir nichts anmerken"

Wir sollen nicht weinen, wir sollten stark sein! Niederlagen müssen wir schnell wegstecken, um dann asap wieder in die Spur zu kommen.

Weitermachen, leisten, funktionieren. 

Schwäche zeigen? Bloß nicht, könnte ja ausgenutzt und gegen einen verwendet werden. Tough sein, hart sein, distanziert sein, dabei aber freundlich, um keine Angriffsfläche zu bieten. Wisst ihr, wie sehr mir das auf den Zeiger geht? Jetzt ist Schluss damit! Eine Abrechnung mit der "Ewig Stark"-Gesellschaft. 

IRGENDWANN WAR ICH IN EINER BLASE OHNE EMOTIONEN

"Du heulst aber viel", wurde mir früher oft in der Schule gesagt. Deswegen bin ich vermeintlich stärker geworden: Ich habe mir das Heulen abgewöhnt und mir einen Panzer angelegt. "Lass das nicht so an dich ran", wurde mir gesagt. Also ließ ich es irgendwann nicht mehr an mich ran. Und irgendwann war ich in einer Blase ohne Emotionen, die alles um mich herum dumpf werden ließ. Ich kam so tatsächlich ganz gut von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr. Alles halb so schlimm … aber auch alles halb so schön. Denn ohne Emotionen – egal ob negativ oder positiv – ja, wer sind wir dann noch? Wenn man lernt, das Unschöne abzuschotten, schottet man auch das Schöne ab.

ICH WILL FÜHLEN DÜRFEN UND ICH WILL DAS AUCH ZEIGEN

Erwartungen zu haben ist menschlich. Doch das Leben widersetzt sich der Planerfüllung. Das Wichtigste kann ich mir sowieso nicht aussuchen. Es wird mir geschenkt oder eben nicht. Und manchmal wird es mir geschenkt und dann wieder weggenommen. Und wenn es mir genommen wird, will ich weinen dürfen. Ich will fühlen dürfen und ich will dies auch zeigen dürfen. Ich möchte mich nicht immer zusammenreißen müssen.

DIEJENIGEN, DIE MICH HEULSUSE NANNTEN, WAREN VIELLEICHT EINFACH VON EMOTIONEN IM ALLGEMEINEN ÜBERFORDERT?

Inzwischen weiß ich, dass es da draußen viele Menschen wie mich gibt. Menschen, die bei einem tollen Song "Pipi" in den Augen haben. Menschen, die vor Freude weinen. Menschen, die Traurigkeit zulassen können. Und inzwischen weiß ich auch, dass diejenigen, die gesagt haben, ich sei eine Heulsuse, einfach nicht anders damit umgehen konnten. Eben weil Emotionen sie überfordern.

DIE KUNST BESTEHT DARIN, LOSZULASSEN UND DAS HERZ AUF DER ZUNGE ZU TRAGEN

Dinge passieren. Ob schön oder traurig. Die Kunst besteht darin, loszulassen anstatt alles kontrollieren zu wollen, tief in die Gefühle, die diese Welt für uns hat, einzutauchen und sie zu durchleben. Ich trage mein Herz auf der Zunge und ich will das auch dürfen! Ich will weinen, wenn ich einen wunderschönen Moment erlebe, genauso will ich fluchen dürfen, wenn etwas schief geht. Ich will nicht nett zu Leuten sein, die ich nicht ausstehen kann. Und ich will mich nicht dafür rechtfertigen müssen, warum ich so bin wie ich bin! Anders als die Norm, emotional aber vor allem eins: Echt!

4 comments

  1. jasmin

    wir muessen heute alle nach normen leben , so wird es von politik, medien und sogar im familienkreis, wie leider auch von eltern, verlangt. das erschuetternde ergebnis ist, dass wir uns verstellen muessen. unsere gefuehle sind nur verschuettet und das macht physisch und psychisch krank, doch die zeit ist noch nicht reif um sie auszugraben und offen ausleben zu duerfen. also leben wir im selbstschutz weiter.

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  2. Sarah

    Liebe Vicky,
    du sprichst mir aus der Seele - DANKE für deine Gedanken zu diesem Thema.Umso mehr,weil es zu meiner momentanen Lebenssituation passt...LG,Sarah

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  3. *

    Finde ich toll, dass du das Thema aufgreifst. Ich habe auch oft solche Momente und kann es sehr gut nachvollziehen.

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