Beauty-Eingriffe – ein Zeichen von Selbstbestimmung?

Ich habe mich letztens mit einem Freund darüber unterhalten, warum Eingriffe, die allein der Schönheit dienen, so verpönt sind. Zeugt der Gang zum Schönheitschirurgen von Unsicherheit und einem Übermaß an Eitelkeit oder ist er einfach ein maximales Maß an Selbstbestimmung, sich nicht mit dem abzufinden, was unglücklich macht?

Beauty-Eingriffe – ein Zeichen von Selbstbestimmung?

Egal ob klein, groß, dick, dünn – jeder Mensch ist schön! Und für mich eh das wichtigste: Wohlfühlen in der eigenen Haut ist komplett unabhängig vom Aussehen zu betrachten. Allerdings kann ich nicht beurteilen, inwiefern sich jemand wohl oder unwohl fühlt. Wenn wirklich etwas stört, dann ab zum Sport. Doch entsteht ein ernstzunehmender Leidensdruck über einen langen Zeitraum (und nicht nur Phasenweise, weil der Freund gerade Schluss gemacht hat und nicht nur die neue Frise, sondern die größeren Brüste hermüssen), dann sehe ich die Option, etwas machen lassen zu können, als ein Zeichen von Selbstbestimmung, sich bewusst von diesem Leidensdruck befreien zu können, anstatt sein Leben lang darunter zu leiden.

Leidensdruck oder Perfektionssucht?

Ich selbst habe mich für einen Eingriff mit Hyaluronsäure entschieden. Durch meine Akne-Vergangenheit haben sich bei unschöne Narben und Dellen auf meinen Wangen gebildet, die mich sehr störten. Ja, ich gebe zu: Ich war so unzufrieden, dass ein Gang zum Schönheitschirurgen für mich durchaus in Frage kam. Doch diese Form von Eitelkeit hat nichts mit der Perfektionssucht zu tun, die manchen nachgesagt wird, wenn sie etwas an sich machen lassen. Ich habe sowohl unter der Akne gelitten, als auch unter den Narben. Ich habe gemerkt wie ich mein Gesicht von der Sonne weggewandt habe und mir bei Treffen oder Terminen die ganze Zeit die Frage durch den Kopf ging "Wie doll mag mein Gegenüber in diesem Licht wohl die unschönen Narben sehen?".

Da ist ein Problem, mit dem ich nicht leben MUSS. Aber MUSS ein Eingriff sein?

Für mich stand fest, es muss eine Lösung her! Denn ich fühlte mich so unwohl, dass selbst ein Schönreden nicht mehr half. Denn mit jedem Blick in den Spiegel, ist mir bewusst geworden: Da ist ein Problem mit dem ich nicht leben möchte und vor allem nicht muss!

Ich möchte hier auf keinen Fall uneingeschränkt die Fahne für Beauty-Eingriffe hochhalten. Sowohl bei Brüsten als auch bei Lippen oder unnötigen Risiken wegen Narkosen, nur um vermeintlich kleine Makel auszumerzen, sage auch ich: Muss das sein? Allerdings kann ich der Diskussion über Schönheits-Eingriffe mit einseitigem Bezug zu dem Unterliegen von Schönheits-Idealen auch nicht ganz zustimmen.

Es muss im einzelnen Fall und komplett unabhängig von den eigenen Maßstäben geschaut werden, inwieweit wirklich ein Leidensdruck oder einfach die Sucht nach Perfektion wegen zweifelhafter Ideale der Gesellschaft besteht. Bei einem ernstzunehmenden Druck (so wie in meinem Fall mit den Aknenarben zum Beispiel) denke ich: Wieso muss ich mich damit ein Leben lang abfinden und mich unwohl fühlen, wenn es doch de Möglichkeit gibt, dagegenzuwirken?

Wie steht ihr zu dem Thema? Lasst uns diskutieren und hinterlasst einen Kommentar. Mich würde eure Meinung zu Beauty-Eingriffen brennend interessieren!

 

6 comments

  1. Mina_aeff

    Wie Du schon geschrieben hast, ich denke es kommt auf die wahren Gründe an, die hinter einem Eingriff stehen. Mir geht es ja ähnlich, es gab Tage, an denen ich meinen Mundschutz im OP nicht angenommen habe, damit man um Neonlicht die Dellen nicht noch krasser sieht. Ich finde gegen kleine Eingriffe, einmalig oder zweimal, OHNE Vollnarkose spricht nichts, wenn es wirklich etwas am Körper gibt, was zu permanentem Unwohlsein/Gedankenkreisen führt. Bei richtigen OPs, finde ich, muss man schon genauer nachhaken. Auch da gilt: ist wirklich ein echter Leidensdruck da, bspw. jahrelanges Mobbing wegen großer Nase etc, finde ich es ok, würde es aber selbst nicht machen lassen. Anders sieht es m.M. nach aus wenn, entweder z. B. der Wunsch des Partners dahinter steht, oder es an einem generellen Ablehnen des eigenen Körpers liegt. Deshalb finde ich, ein guter plastischer Chirurg sollte seine Patienten mehrfach gesehen haben und über alle Risiken, eben auch Folgeops, Implantattausch etc. aufklären. Das findet leider nicht immer statt.
    Schade ist, dass viele Behandlungen und Eingriffe in der Öffentlichkeit falsch dargestellt werden. Kein Promi berichtet bspw. wegen Schmerzen nach einer Brustvergrößerung kaum durchatmen zu können, vom Implantattausch, geplatzten Implantaten (das habe ich einmal im OP gesehen und keiner möchte fädenziehendes Silikon im Körper, das an jedem OP Hanschuh klebt), Nasentamponaden die beim Ziehen solche Schmerzen verursachen, dass die Patienten teilweise heulen...... auch wird immer nur gezeigt, wie schön jemand altert, aber dass da meist mehr als ein paar Botoxspritzen dahinterstecken, zeigt kaum jemand.

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    1. Vicky

      Hallo Liebes, sehr gut zusammengefassst und danke für deine interessanten Denkanstöße. Wie du richtig sagst, gibt es einen Unterschied zwischen Leidensdruck durch Mobbing zum Beispiel oder bei Unwohlsein im Vergleich zu dem Nacheifern von Idealen in der Öffentlichkeit. Viele Eingriffe birgen so große Risiken, dass die Risiko/Nutzen-Rechnung meines Erachtens nach einfach nicht aufgeht.

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  2. ReSt

    wie bei allem ist der goldene Mittelweg angebracht, ansonsten sollte jeder tun was er will. Einen guten und
    serioesen Chirurgen zu finden wuerde ich auf jeden Fall raten und das kostet. Wegen einem Partner oder
    der restlichen Gesellschaft sollte man so einen Schritt nicht unternehmen. Tut es fuer euch selbst.

    Antwort
    1. Vicky

      Ja, das ist ein guter Punkt: Man sollte es für sich selbst tun. Doch bei dem Schönheitsdiktat durch Medien & Co., wissen da manche noch, was sie selber schön finden?

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      1. ReSt

        das ist natuerlich eine Persoenlichkeitsfrage. Man sollte zumindest wissen wie man aussehen
        will aber viel zu viele uebertreiben, da hast du voellig recht

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  3. Sarah

    Auch ich habe eine sehr ähnliche Haltung zu diesem Thema wie du,liebe Vicky! Jeder ist für sich selbst und seinen Körper verantwortlich und darf daher auch nur selbst beurteilen, wie er/sie eben mit diesem umgehen möchte...Und wenn sich jemand entscheidet,etwas chirurgisch/plastisch zu verändern,dann bitte! Man sollte sich nur im Vorfeld über mögliche Risiken aufklären lassen und gut überlegt abwägen,ob man diese in Kauf nehmen will...Dies kann so manche Enttäuschung hinterher abwenden. Liebe Grüße! Sarah

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