Der Blog ist tot – lang lebe der Blog!

laptopWie ihr sicherlich mitbekommen habt, ging es für mich einige Tage nach Dallas. Warum? In der Stadt in Texas sitzt das Headquarter eines Affilliate-Anbieters, der seine Top-Seller weltweit jährlich einlädt, an Workshops teilzunehmen und sich anderen Bloggern und auch Brands vorzustellen. Was mir auffiel: Die meisten zeichnen sich durch eine hohe Reichweite eines Social Media Kanals aus: Instagram. Viele haben 50.000 oder sogar 100.000 Follower und mehr. Natürlich nicht alle. Und auch ich gehöre nicht dazu. Muss ich wegen einer Reichweite unter 100K bei Insta als Blogger Minderwertigkeitskomplexe haben? Nein!

WORUM GEHT'S DENN EIGENTLICH BEIM BLOGGEN?

Bloggen, ja, was ist das eigentlich genau? Das ist eine Frage, die wir uns schon länger nicht mehr stellen, weil wir’s ja wissen. Wir denken zu wissen, was einen erfolgreichen Blogger ausmacht. Ich selbst gehöre zu der Blogger-Generation, deren Idealismus die Blogosphäre geprägt hat. Es ging nicht unbedingt darum, mitzumischen. Schon gar nicht darum, Geld zu verdienen. Das ging nämlich damals noch gar nicht. Im Fokus stand die Liebe zu ausgefallenen Kombis und der Gedanke, mit Gleichgesinnten Mode- oder Beautyverrückten in Kontakt zu treten. Ich persönlich hatte einfach Spaß an Vintage-Kleidern – ein wenig London-Style, ein bisschen bunt und meistens mit Hut, rotem Lippenstift und Plateau-Schuhen. Ich habe Gefallen daran gefunden, mit Gleichgesinnten meinen Stil zu teilen, der im Alltag doch etwas aus der Norm gefallen ist aber im Internet großen Anklang fand.

BLOGGEN WAR MAL PEINLICH

Inzwischen sind Blogs nicht mehr nur Seiten, auf denen „Das Mädchen von nebenan“ postet und es eigentlich niemandem in seinem Umfeld sagen möchte, weil Bloggen tatsächlich eine ganze Zeit lang echt peinlich war. Blogs sind inzwischen kleine Unternehmen/ Redaktionen, die auf professioneller Ebene Fotoproduktionen durchführen, Texte produzieren, alle Posts SEO-optimieren und bei Instagram makellose Feeds wie ihre Visitenkarten zur Schau stellen. Die meisten Blogs bestehen dabei inzwischen aus mindestens zwei Personen.

SIND INDIVIDUALITÄT UND AUTHENTIZITÄT VERLOREN GEGANGEN?

Was mit der Zeit verloren gegangen ist, darüber streiten sich Leser, Brands und auch Blogger. Ist es die Individualität? Oder die Authentizität? Oder gar beides? Kann ein Blog nur funktionieren, wenn alle das machen, was vermeintlich „gut“ läuft? Und inwieweit bleibt dadurch der Ursprungsgedanke eines Blogs - das Teilen des individuellen Stils – erhalten? Die Meinungen hierüber sind zahlreich im WWW nachzulesen und klaffen auseinander. Einerseits schreit die eine Seite nach Individualität. Aber mal ehrlich, wer schaut sich schon gerne eine Portion geknipsten Labskaus an, wenn das Avocado-Toast doch so schön fotogen und super #yummy ist? Andererseits – und das ist inzwischen auch meine Meinung – haben alle Accounts eine Daseinsberechtigung. Denn jeder Blog ist mit seiner Bildsprache und mit dem Gesicht dahinter auf seine eigene Art individuell oder eben weniger individuell – zweiteres spricht dafür aber viele Leute an, weil die Identifikationsgrundlage für viele Follower und Leser größer ist.

ES FEHLT EINE KLARE DEFINITION UND DIFFERENZIERUNG DER BLOG-ARTEN

Soweit so gut. Was mich persönlich wirklich stört, ist nicht die Tatsache, wie andere ihre Accounts gestalten. Es fehlt vielmehr die konkrete Definition und eine Differenzierung der Blog-Arten. Denn sowohl in der Theorie als auch in der Praxis werden die einzelnen Felder, die Blogger besetzen, nicht großartig unterschieden. Was meine ich damit? Plakativ gesprochen bedeutet es, dass alle Blogs über einen Kamm geschert werden. Diese Denkweise ist sowohl bei den Lesern, sowie bei anderen Bloggern, als auch bei Brands und Agenturen weit verbreitet. Immerhin: Die Differenzierung von Bloggern und Youtubern findet statt. Aber was ist mit Leuten, die jetzt nicht mega Instafame sind und unter 50k Follower (neben 100k eine Art „magische Grenze“) bei Insta haben?

ES WIRD NUR MIT EINER WÄHRUNG GEHANDELT

Durch die fehlende Unterscheidung von Blog-Arten wird nur mit einer Währung gehandelt. Und diese heißt: Instagram-Reichweite. Daraus werden falsche Rückschlüsse gezogen: Unter 50.000 Follower bei Instagram zu haben, bedeutet für einige Brands und auch andere Blogger bzw. Influencer automatisch, man ist als Blogger „weniger wert“. Und genau das ärgert mich! Denn auch erfolgreiche Instagram-Influencer können teilweise nicht mit Youtube-Größen mithalten, wenn sie Youtube-Videos hochladen. Aber keiner würde auf die Idee kommen, so einen Insta-Influencer mit der Reichweite einer Dagi Bee zu vergleichen.

Und genau das ist mein Punkt! Ich habe mir beispielsweise lange nichts aus Instagram gemacht, den Kanal so nebenher plätschern lassen ohne großen Aufwand und ohne viel Gedankengut dort hineinzustecken. Warum sollte ich auch? Viele haben diesen Kanal für sich entdeckt und super interessante und ästhetische Bilder hochgeladen. Das haben sie richtig gut gemacht, das war aber nicht mein Steckenpferd. Da wollte ich in dem Ausmaße damals noch nicht mitmischen. Denn mein Hauptding war seit 2010 immer der Blog und nicht Social Media.

Irgendwann geschah hier allerdings bei allen einfach so eine gedankliche Fusion der Kanäle, die keine Unterscheidung mehr zugelassen hat. Und das ist der Denkfehler, den ich mit diesem Text aufklären will: Denn der Instagram-Channel von jemandem, dessen Fokus der Blog ist, wird mit der Reichweite von ursprünglichen Instagrammern verglichen. Warum? Weil die alten Bloggerhasen von damals irgendwann als der Instagramhype aufkam, so nebenbei mitgemacht haben und deswegen automatisch in Konkurrenz zu den Instagrammern getreten sind. Aber konnte man erahnen, was das für Ausmaße annehmen würde? Dass ein Blogger, der seit Jahren seine Outfits auf seiner eigenen Page postete, in Kameraequipment investierte, lange Texte schrieb, nächtelang an Bloglayouts saß oder tausende von Euros in die Hand für eben jenes nahm, auf einmal mit Leuten in einen Topf geworfen werden würde, die mit Bildern von ihrem Handy binnen kürzester Zeit eine riesige Followerschaft aufbauen konnten?

INSTAGRAM-KANÄLE ERFOLGREICHER BLOG-BETREIBER KÖNNEN NICHT MIT DENEN VON INSTA-STARS VERGLICHEN WERDEN

Um wieder auf die anfangs erwähnte Blogger Confernence zu sprechen zu kommen: „Starke Blog-Pages“ waren ein wichtiger Punkt der Präsentationen. Laut Alexis Caldwell, Director of Affiliate Marketing bei Rewardstyle, gab es in 2016 ein 33 prozentiges Wachstum der auf Blogs eingebundenen Widgets. 91% der Kampagnen verlangten Blog-Content oder Blog-Posts als Umsetzung. Diese Zahlen lassen zwar keine Rückschlüsse auf die Größe des jeweiligen Instagram-Channels hinter den Blogs ziehen. Allerdings bedeutet beispielsweise meine Einladung zu dieser Conference, auf der die Top-Seller des Affiliate-Anbieters weltweit jährlich eingeladen werden, dass mein Blog anscheinend trotz eines kleineren Instagram-Kanals im Vergleich zu den Anwesenden genauso stark ist. Mein Appell ist also folgender: Genauso wie weniger erfolgfreiche Youtube-Channels von erfolgreichen Instagrammern mit der Youtube-Reichweite von Youtubern verglichen werden (können), genauso wenig gehören die Instagram-Accounts erfolgreicher Blogbetreiber verglichen mit Reichweiten von Insta-Stars. Von der Instagram-Reichweite können nicht automatisch Rückschlüsse auf den Blog gezogen werden und andersherum. Stattdessen sollte geschaut werden,  welche Kanäle ein Blogger bespielt und wo sein Hauptfokus liegt.

13 comments

  1. Jessica

    Ein toller Blogpost ?
    Bin genau deiner Meinung, besonders weil die meisten Insta-Reichweiten eh frisiert wurden. Deshalb sollte darauf wirklich nicht geachtet werden.

    Viele Grüße Jessica von itsjess.de

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  2. Steven

    Grundsätzlich ist jeder Kanal separat zu betrachten, ob es nun um einen Mode-Blog geht, Tech-Reviews veröffentlicht werden, News gepostet werden oder anderer Content ins Netz geschubst wird. Instagram, YouTube und die anderen Social Media Plattformen sind Content Inseln die ihre eigenen Gesetze haben und für unterschiedliche Targets unterschiedlich gut funktionieren.

    Ich habe schon immer die eigene Webseite als Herzstück gesehen, die den eigenen Content beherbergt und soziale Netzwerke als Duplikator verwenden. Nach Möglichkeit habe ich alle Post und Sharing Aktionen automatisiert und möchte doch im Kern nur eins: Den Traffic aus den Social Media Kanälen auf meine Webseite leiten und dort in gewünschter Art und Weise konvertieren. Hier bin ich frei in meiner Gestaltung und kann Leads generieren, CTAs frei definieren und mich nach allen Regeln der UX, SEO und Marketingpsychologie austoben.

    Ob nun jemand 50k der 100k Instgram-Follow hat interessiert mich reichlich wenig... die Frage ist wie sinnvoll kann ich diese Gefolgschaft bespielen bzw. inwieweit lassen sich die Follower monetarisieren. Wie hoch ist der Response? Ich habe auch Email-Listen mit knapp 60.000 Empfängern, die Klickraten sind aber eher bescheiden... bei einer anderen Liste sind es 12.000 Empfänger, aber dort werden die Emails mehrmals geöffnet und ich habe sehr gute Klickraten.

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  3. Kiki

    Hey Vicky, ein sehr schöner Artikel mit viel Wahrheit. Ich betreibe meinen Blog z.B. nur als eine Art "Tagebuch". Die Wahrscheinlichkeit, dass ich damit irgendwann mal groß raus komme oder irgendwelche mega Kooperationen habe schätze ich als sehr gering ein. Aber mir geht es darum einfach mal loszuwerden, was einen beschäftigt. Über vllt wirklich merkwürdige Ideen zu schreiben oder einfach über mich. Mein Insta-Acocunt zeigt zwar auch relativ viele Einblicke, aber ein Blog ist für mich immer noch einen Tick persönlicher. Es macht immer wieder Spaß von dir zu lesen und ich gelobe, dass auch ich mal häufiger kommentiere anstatt stiller Leser zu sein ;) Lg Kiki

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    1. Vicky

      Definitiv - auf dem Blog lebt der Text, auf Insta eher das Bild. Ich liebe die Mischung auf meinem Blog, dass ich eben die Möglichkeit habe, über alles zu schreiben, was mich beschäftigt oder was mir Spaß macht 🙂 Danke dir übrigens und lieb, dass du öfters kommentieren magst <3 <3

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