smile, lächeln, zähne, fröhlich, barcelona, pony, beachaves, haare
Diary

Online-Dating | Meine erste Woche bei Tinder

Anzeige - mit Affiliate-/Werbelinks

Anzeige - da Markennennung, aber keine Werbung
(hier befindet sich eine rechtliche Grauzone bei Blogs, weshalb ich diesen Beitrag unnötigerweise kennzeichnen muss)

smile, lächeln, zähne, fröhlich, barcelona, pony, beachaves, haareWir befinden uns in einer digitalen Welt voller Möglichkeiten. Als Single muss man nicht lange alleine bleiben, denn es gibt Dating-Apps und -Plattformen en masse. Warum also auf die große Liebe an der Supermarktkasse warten und nicht einfach dem Glück via Internet ein wenig auf die Sprünge helfen? Diese Erkenntnis hatten schon einige (ja, viele...) vor mir. Und ich jetzt tatsächlich auch. Ich habe mich bei Tinder angemeldet und frage mich nach der ersten Woche: Was ist mit den Männern los?

Aber von Anfang an: Ich dachte mir letztens erst, dass ich als Single mit fortschreitendem Alter und in einer Branche, in der man meist nur auf Frauen, Blogger-Boyfriends (oder inzwischen auch vermehrt Husbands) und Homosexuelle trifft, die Suche nach dem Traummann meist unbefriedigend bleibt. Also, warum nicht auch mal offener sein, seine romantischen Vostellungen, DEN einen im Real Life zu erblicken, über Bord werfen und dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen?! Und so kam ich dann dazu, dass ich mich kurzerhand bei Tinder angemeldet habe.

Ja, und dann?

MAN WIRD ZU EINEM GEWISSEN GRAD AN OBERFLÄCHLICHKEIT ERZOGEN

Dann kamen vor allem erst einmal viele Nachrichten von Männern, die ich vorher – so grauenhaft ich es auch finde – via Bild einordnen musste, ob derjenige zu mir passen könnte oder nicht. Diese Tatsache allein macht Online-Dating für mich schon schwierig. Denn grundsätzlich kann man hier weder einen Moment à la "unsere Blicke treffen sich und es war um mich geschehen" erleben, noch haben mich Bilder der Männer, die ich im echten Leben als attraktiv eingeordnet habe, besonders angesprochen. Also, erstes Fazit: Man wird durch diese Apps zu einem gewissen Grad zur Oberflächlichkeit erzogen und fängt irgendwann aufgrund der scheinbar unerschöpflichen Fülle an Möglichkeiten unterbewusst damit an, Ausschlusskriterien wahrzunehmen wie "zu klein, zu groß, Zähne zu gelb, steht krumm, grinst komisch....". Und so weiter. So kann das ja nichts werden...

NACHRICHTEN WERDEN INFLATIONÄR VERSCHICKT - WEM SOLL ICH DA ANTWORTEN?

Trotz dieser Hindernisse kommt es dann doch ab und an dazu, dass Schriftkontakt stattfindet. Vor allem fällt eines auf: Nachrichten werden inflationär verschickt. Mal originell, mal nur "Hey", mal obszön (die werden gleich gelöscht) und mal auch einfach ganz normal und entspannt (definitiv die beste Masche nach meinem Geschmack). Es fällt mir aber echt schwer, regelmäßig und ausführlich zu antworten. Denn Tinder hat bei mir definitiv einen geringen Stellenwert und trotz der Neugierde, überwiegt dann doch das echte Leben. Die positive Kehrseite ist durch meine Tinder-Abstinenz allerdings, dass so mancher Herr das wenige Antworten meinerseits total anstachelt – das führt in der Regel von genervten Reaktion bis hin zu Beschimpfungen, warum ich denn hier angemeldet sei. Diese Herrschaften lösche ich direkt, da ich mich von Fremden – sorry – echt nicht dumm anmachen lassen muss (habt ihr kein Leben?). So wird die Liste derer, denen ich antworten müsste und möchte, von selbst kleiner. Danke dafür!

ERSTKONTAKT: ES GIBT FOLGENDE 6 TYPEN BEI TINDER:

1. Der, der nicht gerne schreibt und nur "Hey" sagt. Ciao!
2. Der, der nicht gerne schreibt und sich sofort treffen will. Ähhh, woher soll ich wissen, dass du kein Irrer bist?
3. Der, der nicht gerne schreibt aber es trotzdem tut, weil er mich kennenlernen will und merkt, dass ich mich für das erste Beschnuppern damit am Wohlsten fühle, der aber super schnell beleidigt ist (wenn nicht sogar sauer wird), wenn nicht innerhalb weniger Stunden geantwortet wird.
4. Der, der nicht gerne schreibt aber es trotzdem tut, weil er mich kennenlernen will und merkt, dass ich mich für das erste Beschnuppern damit am Wohlsten fühle, und der nach ein paar Tagen nett nachhakt, nicht aufgibt und dabei super entspannt bleibt.
5. Der, der gerne schreibt und mir alles erzählt, am besten Copy Paste - neee, merkt man null "Hallo mein Sonnenschein..."
6. Der, der einfach super weirdooooo Fragen stellt und denkt, das sei originell. HILFE!

 

FRAUEN TREFFEN SICH UNGERNE? ÜBERLEGT MAL, WORAN DAS LIEGEN KÖNNTE...

Ich muss nach einer Woche bei Tinder erstaunt feststellen, dass dieses "Ich habe keine Lust, wochenlang zu schreiben und mich dann nicht zu treffen"-Ding anscheinend echt ein Thema bei den Männern ist, das viele nervt. Vielleicht sollten sich die Herren aber mal fragen, warum kein Treffen stattfindet? Okay, vielleicht ist sie ein Arsch und hat 'nen Macker zu Hause sitzen und braucht nur Bestätigung über das Internetz. Da gehöre ich aber beispielsweise nicht zu. Ich suche einfach jemanden mit Stil, Freundlichkeit, Charme mit möglichst wenigen Issues und keinen Selbstwertproblemen. Grundsätzlich merke ich, dass hier eine große Unsicherheit bei einigen vorhanden ist, da sich oft gewundert wird, dass Frauen anscheinend gerne schreiben und antworten, sich aber eben nicht treffen wollen. Allerdings ist diese unberechtigt, da Frauen nach meinem logischen Empfinden wahrscheinlich mehr Nachrichten bekommen als Männern und einfach ausloten müssen, mit wem sich ein Treffen lohnt. Wer hat schon Lust, sich mit jemanden zu verabreden, der direkt ausfallend wird, nur weil ich mal einen Tag nicht antworte? Genau! Rhetorische Frage...!

NUR MIT DIESEM EINEN TINDER-TYPUS (S.OBEN) WÜRDE ICH MICH TATSÄCHLICH TREFFEN...

Vor allem ist mir aufgefallen, dass meine Abwesenheit auf der App die meisten total unruhig macht. Gut so, weil ich da schon so eine kleine Krise heraufbeschwöre und anhand derer ich durch seinen Monolog schon einiges über seinen Charakter erfahren kann. Diejenigen, die direkt meckern oder super hysterisch werden, siebe ich ohne mit der Wimper zu zucken aus. Aber das Interessante darüber hinaus: Es gibt tatsächlich welche, die auch nach einigen Tagen meiner Wortkargheit super entspannt, trotzdem interessiert und höflich bleiben. Und genau mit diesen würde ich mich treffen. Denn: Findet kein Trefen statt, liebe Männer, könnte es eventuell auch an eurem Schreibstil liegen bzw. seid ihr teilweise in der undankbaren Position, der Frau Aufmerksamkeit zu geben, ohne zu aufdringlich zu wirken. Zugegeben, ich gehöre auch zu denjenigen, die sich darauf ausruhen, genug Nachrichten zu erhalten und derjenige, der unter Typ 4 (s. oben) fällt, ist tatsächlich der einzige Typ Mann, mit dem ich mich treffen würde. Diesen Balanceakt hinzubekommen, interessiert aber nicht hysterisch zu wirken, ist sicherlich eine Kunst für sich und dabei ist das individuelle Empfinden dieser Balance natürlich auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

TRAUMMANN FINDEN LEICHT GEMACHT? NOPE!

Das fatale beim Online-Dating ist meines Erachtens nach, dass viel zu sehr der Fokus auf dem Daten liegt, anstatt sich einfach entspannt kennenlernen zu wollen. Die Hemmschwelle, zu schnell in zu intime Themen, Fragen oder Sexy Talk abzurutschen, sinkt enorm, denn das erste Eis ist ja durch die Anmeldung bei einer Dating-App quasi mit dem Klick auf den Anmelde-Button gebrochen. So entsteht eine komisch, verzerrte Art von intimem Wunschdenken, die den Beteiligten gleichzeitig auch mega viel Druck aufbürdet. Denn warum zur Hölle sind nach zwei Wochen keine Schmetterlinge im Bauch, wenn wir doch schon so schön dreckig geschrieben haben? Ich kann euch die Antwort geben: Das Kennenlernen kann die App nämlich nicht übernehmen und viele vergessen aufgrund der Fülle an Möglichkeiten, dass sie jedes mal ein Individuum vor sich stehen haben, das nicht Checklisten-like innerhalb von wenigen Tagen möglichst viele Traumpartner-Punkte abhaken muss und kann. Kennenlernen und Zusammenwachsen sind Prozesse, die vor allem Empathie und Zeit brauchen. Zeit, die wir heute anscheinend nicht mehr haben (wollen?). Also, wird die Partnersuche im Internet definitiv leichter dargestellt als sie ist. Denn wie im echten Leben ist die Liebe besonders und selten und nicht hinter jedem noch so hübschen Klick zu finden.

4 comments

  1. Alexander Kaminski

    Guten Abend liebe Vicky

    Nun schlägt mein digitaler Zeiger 21.35 Uhr und endlich habe ich die Zeit gefunden meinen Kommentar zu diesem Thema zu schreiben. Ich mache es mir noch eben nebenbei gemütlich und möchte dann, wie versprochen, meinen Senf zu dieser Thematik abgeben.

    Lass mich doch aber damit beginnen, dass ich es nach wie vor einfach wunderbar erfrischend finde, dass du zum einen das Interesse an diesen Themen hast und zum anderen die Courage besitzt darüber zu sprechen. Hut ab, Knicks usw…

    Wo soll ich nur anfangen? Dein Artikel ist natürlich hervorragend und absolut korrekt - wie auch bei meinem damaligen Kommentar sehe ich dieses Problem als ein Puzzlestück eines RIESENGROßEN Problems: Dem “Menschen der Neuzeit”

    Ich grüße Dich: Netflix-Gesellschaft, narzisstische Narzissten und Generation XYZ

    Für mich beginnt das Problem einfach schon viel früher. Ohne Führerschein und mit selbst zu gesprochenem Halbwissen fühlt sich eine komplette Nation seit Jahren in der Lage willkürlich Kinder in die Welt zu setzen. Im Grunde nicht verkehrt, wäre da nicht unsere stetig und rasend schnell wachsende Technologie - diese entwickelt sich weiter, der Mensch lässt sich von seiner eigenen Technologie versklaven und entwickelt sich im gleichen Tempo mit - nur eben zurück.

    Mitschuld hat für mich unsere Netflix-Gesellschaft. Wie soll man es dem einfachen Bewohner verübeln? Bekommt er schließlich alles im Leben sofort. Dank Netflix schauen wir Filme und Serien wann wir wollen. Dank Amazon Prime bekomme ich meinen Einhorn-Schwimmring schon am nächsten Tag und dank Lieferando kann ich eigentlich permanent irgendeinen Fraß nachschieben, ohne meinen Hintern auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Eine Kleinigkeit vergisst der Mensch hierdurch: diese “On Demand Sucht” lässt sich nicht auf menschliche und fundamentale Werte übertragen. Weder auf die Liebe, noch Glück, noch Erfolg, noch Hoffnung, noch Respekt, noch Authentizität, noch Freiheit, noch sonst irgendetwas.

    Ein weiteres Problem, welches unter anderem daraus resultiert, ist der zunehmende Narzissmus. Als Hamburgerin kennst du es sehr gut. Wir haben einen sonnigen Tag, 29 Grad und die Schanze ist voll. Wagen wir nun einen Blick nach links, sehen wir Narzissten. Und blicken wir nach rechts, sehen wir Narzissten. Eigentlich sehen wir Narzissten soweit das Auge reicht. #VielenDankGenerationY oder dich Generation Z? Gibt es eigentlich noch Generationen, oder leben wir mittlerweile in einer Zeit von Post Generation? Ich mein, selbst ein 70 jähriger beherrscht das Swipen auf Tinder.

    Es gibt so viele Themen, welche ich hier gerne ausführlich behandeln würde: Emotionale Intelligenz, Achtsamkeit, Entwicklung der Gesellschaft, Trugbilder des Mannes und eben auch die Auswirkungen auf die Liebe und unser zwischenmenschliches Verhalten.

    Ich versuche einfach mich an dieser Stelle auf die Liebe zu beschränken und erzähle eine kleine Geschichte aus dem Nähkästchen. (Entschuldige die Ausdrucksweise, welche ich zum Teil gewählt habe, dient der Verdeutlichung).

    Vielleicht weiß ich gar nicht was Liebe ist…

    Und so sitzen wir da und schweigen uns an. Wir tun das schon seit einer ganzen Weile. Ich blicke in mein leeres Glas Rum und rühre mit Hilfe eines Zahnstochers die Eiswürfel hin und her.

    „Shit ey..“, sagte ich schließlich und ich glaube Jan wartete darauf, dass noch irgendwas folgt.

    Was als eine Partynacht begann, endete schließlich in einer langen und tiefgründigen Diskussion über Liebe, was sie eigentlich ausmacht und wie selten sie zu sein scheint.

    Irgendwann fragte Jan endlich „Was ?..Shit ey ?“

    „Ich glaube ich habe tatsächlich keine Ahnung was es bedeutet“, antwortete ich.

    Er schaute mich verwirrt und fragend an, brachte mir dann aber schließlich das entgegen, was jeder gute Freund sagen würde, „Ach Bruder, vielleicht hast du einfach noch nicht die Richtige getroffen“. Totales Klischee, aber sowas sagt man eben in diesem Moment dann wohl.

    „Nein“, sagte ich. „Ich meine, dass ich es noch niemals mit jemandem erlebt habe. Meine Eltern, meine Familie, selbst bei meinen Freunden.“ Ich blickte auf, richtete die Augen von meinem Glas auf Jan, Tränen in den Augen .. „Vielleicht weiß ich einfach gar nicht was Liebe wirklich ist.“

    Diese Nacht machte ich zum Tage. Ich sorgte für ein weiteres Glas Don Papa Rum, füllte es 3/4 voll und nahm einen großen Schluck. Ich griff zu einer Serviette und einem Kugelschreiber aus meiner Tasche und schrieb folgende Worte auf.

    „Ich will dich lieben können, einfach nur weil ich dich liebe.
    Denn es wäre unmöglich für mich dich nicht zu lieben.
    Ich will dich lieben, ohne etwas hinterfragen zu müssen.

    Ich will dich lieben, ohne kalkulieren zu müssen.

    Ich will dich lieben, egal ob im Guten oder im Schlechten.

    Ehrlich und treu.

    Mich mit all meinen Sinnen vertrauensvoll in der verlieren.

    Mit meinem Herzen, meiner Seele und all meinen Fähigkeiten.

    Glaube mir, jetzt, als wäre es bereits Realität.

    Ich möchte das mir die Liebe zu dir meinen Atem raubt,

    ohne dabei in Abhängigkeit zu ersticken.

    Die Liebe die ich mir erhoffe, darf manchmal langweilig sein,

    denn genau das erlaubt den magischen Momenten noch außergewöhnlicher zu sein.

    Unsere Liebe soll Freiheit zur Veränderung bedeuten.

    Es ist das Wissen darüber nicht immer Schmetterlinge im Bauch zu haben,

    aber auch das Wissen darüber, dass ein einziges Lächeln von dir reicht um sie alle zurück zu bringen und wild durcheinander fliegen zu lassen.

    Ich wache sanft neben dir auf und habe das Gefühl zu schweben.

    Du liegst neben mir im Bett, die Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt.

    Unsere warmen Körper sind parallel und doch ineinander verflochten.

    Ich schaue dich an, du schläfst und sehe wie wunderschön du an diesem Tag bist. Für mich!

    Ich kann diese Worte nicht mehr von Traum oder Realität unterscheiden. Als wir Teenager waren, so haben wie unsere „Coolness“ wie eine Währung genutzt. Wenn wir genug Coolness erlangt haben, so suchten wir uns andere Kinder die genauso „cool“ waren, horteten uns zusammen und freuten uns darüber das wir nun noch cooler waren. Und wenn nichts ahnend ein Kind vorbei kam das weniger cool war, so haben wir diesen dicken Looser nieder gemacht, da er eben bei weitem nicht so cool war wie wir.

    Unser Coolness-Level war aber auch ausschlaggebend für unsere Beziehungen. Wenn du im Sport scheiße warst und Sport gerade cool war, dann war eben nicht viel Platz für Freundschaften. Der ganze Bullshit und die dämlichen Psychospielchen sind alles ein Resultat unserer verkorksten Coolness-Gesellschaft (aka Konsumgesellschaft). Jeder versucht den Kopf des anderen zu ficken, sie glauben sie lieben Menschen die sie hassen und sie hassen Menschen die sie eigentlich lieben, weil es sie eventuell cooler erscheinen lässt, ihnen einen dicken Follower Boost auf Instagram bringt und on Top auch noch n Blowjob des heißesten Mädchens der Schule.

    Diese Art von Beziehungen sind seit jeher unter Vorbehalt. Wenn du dies für mich tust, dann tue ich das für dich. Diese Beziehungen beginnen an einem Tag und am nächsten Tag ist deine vermeintliche Liebe mit dem Mathe-Ass zusammen, weil sie das gerade für die Abschlussprüfung eben so braucht. Alles hochdramatische Momente und Beziehungen. Aber Hey, das ist schon in Ordnung. Es ist immerhin ein Teil des Erwachsenwerdens auf dem Weg zu uns selbst. Wir müssen ein Teil der Scheiße gewesen sein um über den Dingen stehen zu können.

    Denn es kommt der Moment in deinem Leben, da wächst du aus diesem Verhalten heraus. Du fängst an die Menschen dafür zu mögen was sie sind. Du genießt ihre Nähe, weil sie sie selbst sein können und nicht dafür das sie vielleicht die größten Hupen haben, den knackigsten Po, die beste Figur oder sogar das gleiche Scheißhauspapier benutzen.

    Doch leider wachsen nicht alle Menschen aus diesen „Beziehungen unter Vorbehalt“ heraus. Viele Menschen bleiben heutzutage in diesem Spiel gefangen und spielen es als Erwachsene weiter. Die Spielchen werden ausgeklügelter, filigraner und gemeiner, aber es sind noch immer die gleichen Psychospielchen. Diese Menschen können sich nicht vin dem Gedanken trennen, dass jede Beziehung einen Vorteil mit sich bringen muss.

    Das Problem mit dieser Art der Beziehung ist, und wird immer sein, dass alles Priorität hat, nur eben die eigentliche Beziehung nicht. Es ist nicht wirklich das „Ich“ oder das „Du“ das den anderen interessiert, sondern dein Erfolg, dein Geld oder deine absolut tolle Fähigkeit im Mittelpunkt zu stehen. Es geht dir nicht wirklich um mich. Du siehst nicht in mich hinein, sondern du siehst nur mein super süßes Gesicht, meine Augen und vollen Lippen. (Ich weiß, ich weiß, schon OK.)

    Diese Art Beziehung kann einen emotional vollkommen zerstören. Die Entscheidung so zu sein, erfolgt aber nicht einfach so. Dieser Bestätigung hinterher zu laufen, ist das Resultat unserer eigenen Unsicherheit. Der Mensch fühlt sich scheiße und wertlos. Also ist der Gedanke dieser Menschen folgender: Eigentlich brauche ich dich nur um mich selber besser zu fühlen.“

    Das gibt natürlich niemand zu, aber wir alle kennen das. Denke ich. Behaupte ich. Sage ich.

    Vielleicht benutze ich dich auch einfach nur für meine Sexfantasien oder weil ich die Umwelt mit dir beeindrucken möchte. Vielleicht nutzt du mich auch nur für deine Sexfantasien oder weil du deine Freunde mit meinem Aussehen beeindrucken möchtest. Wo fangen diese Spiele an und wo hören sie auf?

    Du kannst es drehen und wenden wie du willst, am Ende des Tages ist es immer das Gleiche. Liebe scheint nur noch auf Bedingungen aufzubauen. „Ich werde dich lieben, wenn du mir hilfst mich geil zu fühlen. Und du wirst mich lieben, wenn ich dir helfe dich gut zu fühlen.“

    Wenn du nur liebst, weil jemand viel Geld hat, dann liebst du doch eigentlich nur die Beziehung zu seinem Geld, richtig? Wann sind die Menschen und Emotionen so egoistisch geworden? Wenn jede Beziehung nur noch unter Vorbehalt und auf Bedingungen aufbaut, führen wir Menschen dann eigentlich noch wirkliche Beziehungen? Wer auf so etwas aufbaut, der wird am Ende nur noch einsamer sein, denn er wird niemals wirklich eine tiefere Verbindung zu anderen Menschen aufbauen können.

    Diese Beziehungen sind es auch, die dafür sorgen, dass wir uns scheiße behandeln lassen und das auch noch tolerieren. Wenn ich also wirklich nur mit dieser super heißen Frau zusammen bin, weil sie geil aussieht, dann kann ich vielleicht eben noch so meine Freunde beeindrucken, aber das sorgt auch dafür, dass sie mich behandeln kann wie sie möchte. Schließlich bin ich ja nur mit ihr zusammen, weil ich andere beeindrucken möchte.

    Diese Art der Beziehungen sind zum Scheitern verurteilt, denn die Bedingungen auf denen sie aufbauen, werden niemals lange und schon gar nicht für ewig Bestand haben. Und wenn es soweit ist, dann sind es genau diese zwei Personen die fallen. Tief fallen, sich beide verletzten und dann so tun als hätte es niemand kommen sehen.

    Und während wir jetzt so älter werden, begreifen wir, dass wir uns bedingungslose Beziehungen wünschen. Beziehungen in denen jede Person so akzeptiert ist, wie sie eben ist. Frei und wirklich einfach bedingungslos, ohne weitere Erwartungen an diese wundervolle Person zu haben.

    Das ist ein Ort den wir „Erwachsensein“ nennen. Das ist ein mystisches Land in dem nur wenige Menschen leben und, unabhängig vom Alter einer Person, nur wenige Menschen jemals erreichen werden.

    Ich glaube der „Trick“ beim Erwachsen werden, ist es den Fokus auf all diese bedingungslosen Beziehungen zu legen und zu lernen Menschen zu schätzen, unabhängig von Ihren Ecken und Kanten, ihren bedeutungslosen kleinen Fehlern und ihren verrückten Ideen. Wir lernen unseren Partner, unsere Freunde und unserer Eltern so zu beurteilen, wie sie sich uns gegenüber verhalten, und anhand des Vorteils welchen wir durch sie bekommen können.

    Bedingungslose Beziehungen sind Beziehungen in denen man sich stets gegenseitig respektiert und einander hilft, ohne etwas dafür zu erwarten. Der Wert der Beziehung entsteht durch die Beziehung an sich - reine und gegenseitige Empathie und Unterstützung - BEDINGUNGSLOS!

    Bedingungslose Beziehungen sind die einzig wahren im Leben. Sie lassen sich nicht durch die kleinen Ups and Downs zum wackeln bringen.

    Wenn du und ich wirklich eine bedingungslose Beziehung führen, dann ist es egal ob ich meinen Job verliere, eine Auslandsreise antreten muss oder plötzlich einen Sexfetisch bekomme und nebenbei Triangel spielen möchte, du und ich werden uns weiterhin respektieren und einander unterstützen.

    Warte mein Freund, da ist einfach noch so viel mehr.

    Wenn du wirklich endlich bedingungslose Beziehungen aufbauen möchtest, dann wirst du einigen Menschen ans Bein pissen müssen. Das soll heißen, dass du aufhören musst die permanent Bedingungen andere Menschen zu akzeptieren. Und du musst auch selbst aufhören welche zu stellen.

    Es erfordert den bedingungslosen Mut auch dann „Nein“ sagen zu können, wenn dein Gegenüber es am wenigsten erwarten. In den häufigsten Fällen sorgt das für ein riesengroßes Drama. Sie werden sauer sein und dich beleidigen. Und sie werden bestimmt ein Haufen an unschönen Dingen sagen. Bleib stark, denn sie scheinen schwach zu sein.

    Lass dich dadurch nicht entmutigen, dann diese Reaktion ist nur ein weiterer handfester Beweis, dass diese Beziehung nur auf Bedingungen aufgebaut ist. Eine wahre und bedingungslose Liebe ist bereit etwas zu respektieren und zu akzeptieren, was sie eigentlich nicht hören wollte.

    Das klingt hart, ich weiß.

    Aber Beziehungen sind von Natur aus kompliziert, denn Menschen sind von Natur aus kompliziert.

    Puh! Mal wieder länger als gedacht. Aber ich habe nebenbei noch vergebens Zeit damit verbracht diese fies summende Mücke ausfindig zu machen. Da habe ich mich dann in Rage geschrieben. Ich würde so so so so gern noch alle anderen Themen abdecken, aber vermutlich lässt mich dann einer deiner Leser direkt einweisen - oder du - oder oder....

    Da ich nicht so unfassbar werbegeil bin, werde ich keine Links oder ähnliches hier platzieren. Allerdings möchte ich zu diesem Thema gerne zwei Empfehlungen aussprechen. Zum einen natürlich mein eigenes Buch “Tagebuch der Emotionen” in dem ich eigentlich all diese Themen auch aufgreife und zum anderen das Buch “Mask of Masculinity” von Lewis Howes. Besser könnte ich all die Masken der Männer und ihr Verhalten gar nicht beschreiben. Lewis macht das wundervoll. Ich selbst habe ebenfalls einen Artikel dazu verfasst, allerdings würde der hier den Rahmen sprengen (ist auch im Buch zu finden). Auf meiner Seite habe ich noch einen Artikel zum Thema “Liebe ist nicht genug…” geschrieben, vielleicht auch interessant.

    Hoffentlich kannst du ein wenig damit anfangen.

    Was bleibt mir noch zu sagen?

    ...und wenn wir nicht gestorben sind, dann schreiben wir noch heute.

    Liebe Grüße & Cheers
    Alex

    ps: wow. Jetzt ist schon 22.23 Uhr. Ich schiebe die Schuld auf die Mücke 😀

  2. Marle

    Ich finde deinen Bericht sehr spannend, poste doch bitte ab und zu ein update von deinen Erlebnissen im Tinder-Universum 🙂

    Liebe Grüße aus dem Hotel welschnofen

    1. Vicky

      Das mache ich gerne und ich bin mir sicher, dass mir der Gesprächsstoff nicht so schnell ausgehen wird, haha!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.