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Über Altlasten und wie wir gelassener werden

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Gelassener werden – Altlasten sind die Wolken der Vergangenheit, die die Sonne der Gegenwart vernebeln

Altlasten – sie paralysieren uns. Sie verbauen uns Dinge und blockieren uns für Neues. Altlasten sind schlechte Erfahrungen, die wir irgendwann einmal gemacht haben. Vielleicht haben wir mit offenem Herzen geliebt, sind ungehemmt in Freundschaften gerannt und wurden zurückgewiesen, enttäuscht oder wir wurden ausgenutzt. Die schlechten Erfahrungen sind die Wolken der Vergangenheit, die die Sonne der Gegenwart vernebeln und die Zukunft düsterer aussehen lassen, als sie sein müsste. Sie sind da, um uns davor zu schützen, ungeschützt in die Sonne zu sehen und geblendet zu werden. Sie bewahren uns davor, die gleichen Fehler ein zweites Mal zu begehen, uns zu schnell zu verlieben und zu schnell fallen zu lassen. Also durchaus eine sinnvolle Sache, oder?

Unser erwachsenes Ich denkt erst an die Konsequenzen – und verbaut uns damit das unvoreingenommene Kennenlernen und Erleben von Menschen und Situationen

Im Gegensatz zu unserem Tennie-Selbst, das gern alles mitmacht, ohne an die Konsequenzen zu denken, ist unser erwachsenes Selbst bereits vorm Erleben gedanklich schon bei den Konsequenzen angelangt und nimmt uns dadurch die Chance, alles mitzumachen oder unvoreingenommen Menschen an uns heranzulassen.

Mit den Jahren werden wir vorsichtiger, wir vermeiden Dinge, die uns physisch wie emotional gefährlich werden könnten. Und dadurch bauen wir eine Mauer um uns herum. Eine Mauer, die es nur bis zu einem gewissen Grat zulässt, dass wir Neues ausprobieren, Abenteuer erleben oder gar Menschen an uns heran lassen.

Ist das nun ein notwendiger Überlebensmechanismus oder eine übertriebene Art, unangenehme Situationen zu vermeiden? Oder ist diese Angst sogar eine gewisse Art von Faulheit, sich mit sich selbst und dem, was um uns herum passiert, nicht tiefergehend auseinanderzusetzen zu müssen?

Wir halten unser emotionale Karten-Deck verdeckt und prüfen so, ob es jemand wert ist, sich verletzlich zu zeigen

Ihr kennt das sicher. Eigentlich ist alles gut. Dann kommt ein Wort, ein Handlungsstrang, ein Satz und schon fahren die Gedanken Karussell. Angewohnheiten, die uns Energie rauben, eingefahrene Glaubenssätze, die uns hemmen und altbewährte Pfade, die wir beschreiten, um auf Nummer sicher zu gehen, anstatt mutig zu sein und etwas zu wagen. Wir werden alle mit der Zeit kritischer und vorsichtiger.

Wir erzählen Fremden vielleicht nicht mehr unbedingt direkt alles frei Schnauze und legen unser emotionales Karten-Deck ungeschützt vor uns auf den Tisch. Stattdessen tasten wir uns an zwischenmenschliche Beziehungen erst einmal heran, um zu schauen, ob jemand vertrauenswürdig ist, legen dann ganz sachte Karte für Karte auf das Spielbrett des Lebens und achten auf die Reaktion des anderen. So prüfen wir, ob es jemand tatsächlich verdient und wert ist, sich erneut dem Risiko auszusetzen, verletzt zu werden.

Das Fallen, Aufstehen und Weitermachen formt uns

Leben als würde es keine Konsequenzen geben ist sicher unvernünftig und nicht besonders verantwortungsvoll. Aber an alle Situationen und jeden neuen Menschen heranzutreten, als könnte nur das Worst Case Szenario eintreffen, ist mindestens genauso unvernünftig. Warum? Weil wir uns damit die Chance darauf nehmen, zu leben. Denn Leben bedeutet Risiko. Das Risiko, dass uns etwas passieren könnte oder wir enttäuscht werden.

Und je älter wir werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Handlung schon einmal eine unangenehme Konsequenz für uns zur Folge gehabt hat. Diese Tatsache unterscheidet niemandem von dem anderen. Doch uns unterscheidet die Art, wie wir nach einem Rückschlag oder einer Enttäuschung weitermachen. Ob wir am Boden bleiben, verängstigt und mutlos, zu frustriert, um wieder aufzustehen. Oder ob wir unsere Frise richten, über den Fehler lachen lernen und das nächste Mal verstehen, dass das Fallen einfach dazu gehört und nicht vermeidbar ist, wenn wir Dingen und Personen eine gewisse Tiefe geben wollen. Und irgendwie formt es uns ja auch, dieses Fallen, Aufstehen und Weitermachen.

Selbst-Erkenntnis ist der erste Schritt, danach müssen wir unser Denken wie einen Muskel trainieren.

Aus einer Situation wird nicht unbedingt objektiv das herausgefiltert, was tatsächlich stattfindet. Sondern es kommt das im Gehirn an, was wir reininterpretieren – Muster und Altlasten spielen ständig in unser Denken mit hinein. Und oft merken wir – wenn überhaupt – erst im Nachhinein, dass wir überreagiert haben oder zu vorsichtig/unvorsichtig gewesen sind und uns dadurch eventuell sogar die Chance auf etwas Schönes genommen haben.

Im ersten Schritt sollten wir also anfangen, unser Verhalten zu reflektieren, es zu hinterfragen, um uns dann darin zu korrigieren. Das klingt abgedroschen und vereinfacht? Nein! Das ist die Quintessenz dessen, wie ich persönlich versucht habe, mit Dingen umzugehen und damit recht erfolgreich mein Denken umtrainiert habe. Und ja, es ist wie das Trainieren eines Muskels beim Sport. Anfangs ist dieses Umdenken eine große Überwindung, dann kommt der Muskelkater und irgendwann – ganz langsam – werden wir besser und trainierter.

Klingt zu einfach?

Oh, nein! Das ist es nicht. Entscheidet ihr euch für den Weg, an euch zu arbeiten, um entspannter zu werden und Dingen und Menschen gelassener gegenüberzutreten, steht euch erst einmal jede Menge Arbeit bevor. Und diese wird nicht wenig schmerzhaft. Denn sich selbst kritisch zu hinterfragen, ohne es persönlich zu nehmen, ist total heftig. Es ist so, dass wir bei jeder Gelegenheit versuchen, unser Denken und Handeln von außen kritisch zu betrachten, zu bewerten und in eine andere Richtung zu drehen versuchen.

Dazu gehört auch, dass wir Impulsen nicht so schnell nachgeben. Ein Kollege bringt euch zur Weißglut und ihr seid eher der aufbrausende Typ und würdet am liebsten lospoltern? Hier könnt ihr bereits ansetzen und beispielsweise versuchen, einen netten Ton anstelle eines grolligen Tones anklingen zu lassen. Ihr tauscht an dieser Stelle quasi die Wut gegen Diplomatie. Ihr tut das ganz bewusst als wärt ihr an einem Schauspiel beteiligt. Anfangs mag sich das noch komisch anfühlen. Aber nach einigen Malen des Trainings tauschen wir ganz wie von selbst das Verhalten A gegen das Verhalten B. Am besten treten wir an dieser Stelle gemeinsam in den Dialog. Hinterlasst doch gerne einen Kommentar zu dem Thema, sodass wir ausgiebig auch über eure Erfahrungen oder aber auch Fragen diskutieren können :-*

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